Arbeitswissenschaft

awi_ueberblickDie Arbeitswissenschaft beschäftigt sich als Ingenieurwissenschaft mit den Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen und leitet daraus Regeln zur menschgerechten Gestaltung der Arbeit ab. Diese Regeln sind auf die optimale Nutzung der menschlichen Leistungsfähigkeit gerichtet - zeigen aber zugleich auch deren Grenzen auf. Der Begriff "Arbeitswissenschaft" ist im deutschsprachigen Raum gebräuchlich. International wird neben diesem Begriff oder sogar vorzugsweise bei vergleichbarem Inhalt der Begriff "Ergonomie" verwendet. Vor allem für praktische Gestaltungsaufgaben kann man jedoch problemlos arbeitswissenschaftliche Erfordernisse gleich ergonomische Erfordernisse setzen. Traditionelle Wirkungsfelder der Arbeitswissenschaft sind die Gestaltung der Schnittstellen zwischen Mensch und Arbeitsmittel - angefangen vom einfachen Handwerkzeug bis zum komplexen Maschinensystem, die Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsstätten sowie die Gestaltung der Arbeitsumweltfaktoren. Auch die Arbeitsorganisation wird als wesentliches Wirkungsfeld der Arbeitswissenschaft gesehen.
Der Minimalanspruch an die Menschgerechtheit wird durch die Beiträge zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit im Sinne der Vermeidung von Gesundheitsschäden durch Unfälle und Berufskrankheiten erfüllt. Das Leistungsvermögen der Arbeitswissenschaft geht aber weiter als bis zum Schutz vor Unfällen und Berufskrankheiten und auch die Ansprüche an Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit gehen heute weiter. Moderner Arbeitsschutz steht über den Schutz vor Unfällen und Berufskrankheiten hinaus auch für erschwernisfreie, zumutbare und persönlichkeitsförderliche Arbeitsbedingungen. Das Arbeitsschutzgesetz fordert deshalb unter § 4 "Allgemeine Grundsätze" Punkt 3 für Maßnahmen des Arbeitsschutzes eindeutig die Berücksichtigung des Standes der Technik, der Arbeitsmedizin und der Hygiene sowie sonstiger arbeitswissenschaftlicher (=ergonomischer) Erkenntnisse. Es orientiert also über das "Notwendige" hinaus auf die Nutzung des "Möglichen".
Die Entscheidungen der Arbeitsgestaltung unterliegen dabei wie andere Gestaltungsentscheidungen einer Kosten-Nutzen-Betrachtung, wobei der Nutzen aus der effektiveren Nutzung menschlicher Fähigkeiten resultieren muss. Keinesfalls geht es um die Schaffung von Komfort-Bedingungen als Selbstzweck oder eine prinzipielle Minimierung von Belastungen bei der Arbeit.

Letzte Änderung: 22.02.2019 - Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Ulrich Brennecke